DIE GEWINNER DES INDEPENDENT DAYS 12|FILMFEST STEHEN FEST


Das Publikum hat entschieden: beim Finale des Low-Budget-Wettbewerbs 2012 konnte der Film “Wie ein Fremder” (Regie: Lena Liberta) die meisten Stimmen für sich verbuchen. Hauptdarsteller Arash Marandi, der stellvertretend für Lena Liberta angereist gekommen war, nahm freudestrahlend das Preisgeld in Höhe von 1.000 Euro entgegen, das ihm von der Geschäftsführerin der Kulturstiftung der Sparkasse Karlsruhe, Gisela von Renteln überreicht wurde.

Würdigung der Festivalleitung: Ein junger Mann zwischen zwei Welten muss sich zwischen seiner Familie und seiner eigenen Freiheit entscheiden. Ein Problem, das in unserer multikulturellen Gesellschaft gerade auch in Deutschland immer häufiger auftritt. Einfühlsam zeichnet Regisseurin Lena Liberta den Konflikt, den ihr Protagonist Azad und dessen Familie erlebt. Ein Film voller Tragik, Trauer und Tragödie, die den Zuschauer am Ende aber dennoch mit einem Hoffnungsschimmer entlässt.

Auf dem zweiten Platz landete “Ein Augenblick in mir” (Regie: David M. Lorenz). Würdigung der Festivalleitung: Viele Menschen leben heute in zermürbender Einsamkeit, die sich so zerstörerisch auf ein Individuum auswirken kann, dass dieses den Entschluss trifft, diesem Dasein ein Ende zu setzen. Ein sehr trauriger Film voller verborgener Sehnsüchte und das vergessene Kind in uns. David M. Lorenz versteht es eindringlich, das schwere Thema seines Filmes zu durchdringen mit einer bittersüßen Narration, die die Zuschauer in ihrem Innersten auf das Tiefste berührt.

Mit dem dritten Platz wurde “Der Philatelist” (Regie: Jan-Gerit Seyler) ausgezeichnet. Würdigung der Festivalleitung: Ein Mann lebt isoliert in seiner eigenen Weltordnung, ohne Kontakte, ohne Beziehungen. Ein kleiner Windhauch kann diese Ordnung durchbrechen und ein solches Leben völlig umwirbeln. Jan-Gerit Seyler macht mit seinem Film Hoffnung. Hoffnung darauf, dass der Zufall ein tristes Dasein bahnbrechend ändern und so einem Menschen Lebensfrohsinn wiedergeben kann. Dies berührt und begeistert gleichermaßen. Ein kleiner, emotionaler Film, der die Bedeutung der Liebe in den Vordergrund stellt, die von vielen Menschen nicht grundlos als das Maß aller Dinge gesehen wird.

Zudem wurde der Filmpreis der Stadt Karlsruhe “Die Goldene ID 2012″ verliehen. Das Publikum entschied sich für den spanischen Kurzfilm “Dulce” (Regie: Iván Ruiz Flores). Elke Sieber, die Leiterin des Karlsruher Kulturbüros überreichte den Scheck über 500 Euro stellvertretend an Festivalleiter Dr. Oliver Langewitz, da der Filmemacher selbst leider nicht persönlich anwesend sein konnte.

Würdigung der Festivalleitung: Ein junges Mädchen und ein Junge verlieben sich ineinander, doch können sie sich dies noch nicht eingestehen. Erst durch ein abendliches Spiel mit den Großeltern wird die ewige Liebe thematisiert, was zu einer folgenschweren Handlung des Jungen führt. Ein poetisch und philosophisch gewaltiger Film, rührend und anmutig zugleich. Das traurige Ende entlässt das Publikum mit einem verwirrend und verstörenden, aber gleichermaßen auch bittersüßen Gefühl.

Platz 2 ging an “Vaterlandsliebe” (Regie: Nico Sommer). Würdigung der Festivalleitung: Ein junger deutscher Mann mit einer großen Portion Loyalität zu seiner Heimat, der durch seine verstörenden Aussagen das Publikum mit einem beklemmenden Gefühl befällt, an anderer Stelle durch seine ambivalenten Kontrastierungen belustigt, aber hierbei immer wieder die moralische Frage aufwirft, was aufgrund der geschichtlichen Abgründe Deutschlands in einem Film erzählt werden darf oder was politisch unkorrekt ist. Dem Regisseur Nico Sommer gelingt dieser Spagat und hat sich so die Würdigung seiner Arbeit mit dem 2. Platz gesichert.

Mit Platz 3 wurde “Splitter” (Regie: Thomas Borowiak) ausgezeichnet. Würdigung der Festivalleitung: Träume können sehr real sein, Träume können einen Menschen auch im Wachzustand verfolgen, Träume können die Grenze zwischen Wirklichkeit und Phantasie verschwimmen lassen. Thomas Borowiak gelingt es auf originelle Weise, das Medium Film mit allen hier zur Verfügung stehenden Stilmitteln einzusetzen, um diese bestehenden Grenzen zu verschieben, in sich zu verkehren und neue Realitäten entstehen zu lassen. Faszinierend, verwirrend und Perspektiven in Frage stellend hat er einen poetischen Film geschaffen, der insbesondere durch das überraschende Ende überzeugt.

Das Independent Days-Team gratuliert allen Preisträgern!


12. Independent Film Days Karlsruhe | written by the festival